Interview mit Dieter Rihs,
Equestrian Director bei APASSIONATA
Kurzprofil Dieter Rihs
Seit 2007 gibt es bei APASSIONATA nur einen Ansprechpartner in Sachen Pferde - Equestrian Director Dieter Rihs. Neben der Auswahl der Equipen ist der 59-jährige zuständig für die Logistik und die Unterbringung der Pferde.
Das Wohlergehen der Tiere steht für ihn dabei an erster Stelle, dafür ist er an einem Show- Wochenende auch von früh morgens bis spät in die Nacht zwischen der Arena und den Stallzelten auf den Beinen. Auch in der Show achtet er akribisch darauf, dass Reiter und Pferde für unser Publikum alles geben!
Dieter Rihs ist selber leidenschaftlicher Reiter und nahm u.a. 1972 bei den Olympischen Spielen in München für das Team aus Österreich am Wettbewerb der Vielseitigkeitsreiter teil.
„Wie wird ein Pferd ein Showpferd“?
1.Welche Pferderassen sind am besten dazu geeignet, eine „Karriere“ als Showpferd zu machen?
Das hängt davon ab, was man in der Show zeigen will –
will man etwas in Richtung Dressur zeigen, wird man sich Pferde aussuchen, die
auch in diese Richtung gezüchtet wurden – also physisch gesehen Pferde mit einer natürlichen Aufrichtung und guten Gängen – die jedoch auch lernwillig und
talentiert sind.
Es wurde schon vor hunderten von Jahren sehr differenziert gezüchtet- an ein Rennpferd werden ganz andere Forderungen gestellt als an ein Dressurpferd oder allgemein an ein Showpferd.
In meinen Augen gibt es keine guten oder schlechten Rassen – jede Rasse wird
der ursprünglich an sie gestellten Anforderungen gerecht – ein gut ausgebildeter Esel ist für uns ebenso wertvoll wie ein gut ausgebildeter Warmblüter, sei es ein
Lusitano oder ein deutsches Warmblut.
2. Kann man aus einem wilden Pferd auch ein Showpferd machen?
Theoretisch ja – aber es gibt leider weltweit nur noch sehr wenige „wirkliche“ Wildpferde und ich persönlich finde, man sollte die wenigen, die es noch gibt, auch frei in ihrer gewohnten Umgebung lassen. Diese Pferde haben noch die Gabe und Instinkte in freier Natur zu überleben – diese Eigenschaft wurden den anderen Pferde durch die Domestizierung genommen.
3. Wie wichtig ist dabei das Geschlecht eines Pferdes?
Das Geschlecht spielt eigentlich keine entscheidende Rolle. Hengste sehen in den meisten Fällen durch die ausgeprägteren Hälse meist etwas imposanter aus als Stuten.
Es gibt aber meines Erachtens keinen Leistungsunterschied zwischen Stuten, Hengsten oder Wallachen.
4. Ab welchem Alter ist ein Pferd für eine Show geeignet?
Üblicherweise beginnt man mit etwa drei jährigen Pferden zu trainieren – je nach Talent und Anforderung dauert die Ausbildung minimal drei bis vier Jahre und endet eigentlich nie.
5. Muss ein Pferd schon Grundvoraussetzungen mitbringen? Wenn ja, welche?
Ja, ein Showpferd muss besonders ausgeglichen sein. Stellen Sie sich allein die Belastung durch Licht und Ton vor , wenn sie einmal auf einem Dressurturnier waren, wissen sie wovon ich spreche – dort ist es verpönt, auch nur laut zu sprechen oder gar einen Hund oder Regenschirm dabei zu haben, alles nur um die Pferde nicht abzulenken oder zu stören.
6. Welche Rolle spielt der Charakter eines Pferdes?
Es gibt Pferde, die ausgesprochen leistungsbereit sind, gerne etwas lernen - und es auch gerne zeigen. Das geht soweit, dass manche Pferde ab der dritten oder vierten Show glauben genau zu wissen, was nun kommt und nicht mehr auf die Kommandos des Reiters warten – dies ist oft gar nicht so einfach für den Reiter.
Wirklich schönes und qualitativ gutes Reiten ist nur zu erreichen, wenn das Pferd gerne mitmacht.
7. Wie geht man die ersten Trainingseinheiten eines Pferdes an? Erfolgt das Training zunächst spielerisch oder lehnt man es an die natürlichen Fähigkeiten eines Pferdes an?
Schon bei einem Fohlen beginnt man mit der spielerischen Ausbildung, man könnte auch Erziehung dazu sagen. Nach ca. drei Jahren beginnt dann die „richtige“ Ausbildung.
Als Ausbilder bemüht man sich, die natürlichen Fähigkeiten im Allgemeinen zu fördern. Bemerkt man, dass das Pferd eher dazu neigt zu springen, wird man es hier besonders fördern. Zeigt es Talent bei der Dressur, wird man die Ausbildung eher in diese Richtung lenken.
Im Grunde genommen kann man als Show - Ausbilder nur dann erfolgreich sein, wenn man erkennt, wo die Fähigkeiten und das Talent des einzelnen Pferdes liegen und dieses entsprechend fördert. Das Ziel muss immer sein, die angeborenen Stärken des Pferdes soweit es geht auszubauen. Aber ein guter Ausbilder wird es nie versäumen, auch die nicht so ganz hervorstechenden Talente zu fördern. Es darf nie so weit kommen, dass ein Pferd nur eine einzige ganz bestimmte Lektion vielleicht sogar in Perfektion zeigt, aber sonst nichts kann.
8. Wie oft muss ein angehendes Showpferd trainiert werden?
Täglich - außer nach großen Anstrengungen. Da genügt es, das Pferd im Schritt ganz locker spazieren zu reiten oder es auf einer Koppel laufen zu lassen. Man tut dem Pferd ganz bestimmt nichts Gutes, wenn man es in seiner Box stehen lässt.
9. Wie lange dauert die durchschnittliche Vorbereitungszeit für APASSIONATA?
Da wir in den meisten Fällen mit schon ausgebildeten Showpferden arbeiten, genügt es, sich im Sommer gezielt auf die nächste Show vorzubereiten. Aber wie schon gesagt – gearbeitet oder zumindest bewegt werden muss ein Pferd jeden Tag.
10. Bekommen Showpferde in der Vorbereitungszeit besonderes Futter?
Nein – man versucht immer so zu füttern, dass das Pferd „ gut“ aussieht. Es darf weder zu dick sein – das belastet unnötigerweise Sehnen und Gelenke. Aber auch nicht zu dünn sein – es muss ja eine entsprechende Muskelmasse aufgebaut sein, um eine ganze Showsaison durchhalten zu können.
Erfahren Pferdebesitzer, Reiter und Tierärzte – die wir immer mit dabei haben - wissen meist ganz genau, ob zusätzlichen Vitamine oder Mineralstoffe gefüttert werden müssen oder nicht.
11. Dürfen mehrere Pferde zusammen ausgebildet werden oder ist Einzeltraining notwendig?
Zunächst bildet man das Pferd immer alleine aus. Erst ab einem gewissen Ausbildungsgrad beginnt man, die Pferde aneinander zu gewöhnen.
12. Welche besonderen Disziplinen lernt ein Showpferd?
Neben der klassischen reiterlichen Ausbildung – Dressur bis hin zu den Schulen über der Erde, werden auch noch zirzensische Lektionen vermittelt.
Aber ein Trickreiter-Pferd wird natürlich völlig anders ausgebildet als ein Dressurpferd oder eines, das in einer Freiheitsdressur auftreten soll.
13. Was mögen Showpferde überhaupt bzw. gibt es auch Sachen, die ein Pferd nie lernen wird?
Aufgrund des Körperbaus sind natürliche Grenzen gesetzt, was ein Pferd erlernen kann und was nicht. Ein Elefant wird nie so springen können wie eine Gazelle, ein Kamel wird nie so elegant laufen lernen wie eine Raubkatze.
14. Was ist hinsichtlich der Musik und des Lichts zu beachten, die in der Show vorkommen?
Der Takt der Musik muss mit den Bewegungen des Pferdes übereinstimmen. Galopp, Trab und Schritt haben eben verschiedene Takte – deshalb wird unsere Musik eigens für die Nummern komponiert, damit alles wunderbar harmoniert.
Die Lautstärke sollte nicht allzu hoch sein – stellt aber kaum ein Problem für die Pferde dar.
An die diversen Lichteffekte muss ein Showpferd gewöhnt werden, das funktioniert relativ schnell und problemlos. Nur bei sich stark bewegendem Licht auf dem Boden kommt es ganz am Anfang zu kleineren Problemen. Der Urinstinkt sagt dem Pferd, hier bewegt sich etwas am Boden. Das ist Sumpf – das ist Treibsand, da gehe nicht hin – das könnte gefährlich sein. Deswegen haben wir vor jeder Premiere mehrere Wochen Proben, um die Pferde an genau solche Effekte zu gewöhnen.
Generell muss man sagen, dass viele Effekte, die uns Menschen erschrecken oder ängstigen, von Pferden gar nicht so aufgefasst werden. Manchmal gibt es Lichteffekte, die für den Menschen gar nicht nachvollziehbar sind oder irgendeine andere winzige Kleinigkeit, die das in dem Moment irritieren.
15. Was unterscheidet ein Showpferd von einem Sportpferd?
Ein Sportpferd wird fast nur in genau jener Disziplin gefördert und gefordert, für das es ausgebildet wird. Ein Springpferd muss nur springen - möglichst hoch und möglichst weit und möglichst fehlerlos. Ein Dressurpferd läuft sein Leben lang immer das mehr oder weniger selbe Programm - von einer E-Dressur steigert sich das zwar bis zum Grand Prix – je nach Alter und Ausbildung. Aber ist es einmal auf einem gewissen Level, werden immer die gleichen, genau vorgeschriebenen Lektionen in genau dem gleichem Umfeld gezeigt. Vielseitigkeitspferden geht es da schon besser, die dürfen mal Dressur laufen, aber eben auch springen und im Gelände ihre Fähigkeiten beweisen.
Gute Showpferde sind vielseitiger ausgebildet, man kann mehr zeigen als im Sport.
Keine Vorschrift, kein Reglement gibt vor, was gezeigt werden kann und was nicht. Dem Ausbilder bleiben, solange es pferdegerecht bleibt, alle Möglichkeiten offen.
16. Jeder denkt, ein Turnierpferd sei automatisch auch ein Showpferd - erklären Sie die Unterschiede!
Dem ist nicht so: Turnierpferde sind Genies auf ihrem Gebiet. Wir hatten schon einige Male wirklich international anerkannte Dressurpferde und Reiter als Gäste bei APASSIONATA. Aber nur bei wenigen gab es keine Probleme mit dem Licht und den Spezial-Effekten wie einem riesigen Indoor-Springbrunnen oder Pyrotechnik.
17. Im Profi-Pferdesport gehen aktuell die Dopinggerüchte umher - unter welchem Leistungsdruck stehen Showpferde? Wie stellt APASSIONATA sicher, dass so etwas nicht passiert?
Auch im Show-Business herrscht natürlich ein gewisser Leistungsdruck, aber wir können da anders reagieren als es im Sport möglich ist. Im Sport muss immer die Kombination Reiter/Pferd starten und der Sportler will und muss gewinnen - dieser Druck ist in einer Show nicht vorhanden. Wir wollen Unterhaltung in größtmöglicher Perfektion und höchster Qualität zeigen – den Zuschauern muss es Spaß machen, den Pferden aber auch. Ihre Belohnung ist der Applaus, nicht die Punkte der Wertungsrichter!
Sollte in Pferd einmal krank oder verletzt sein, haben wir in vielen Teams Ersatzpferde, die eingesetzt werden können .Ist einmal kein Ersatzpferd vorhanden, haben wir immer die Möglichkeit, das Programm etwas zu ändern. Das Wohl der Pferde steht an oberster Stelle und es beeinträchtigt in keinster Weise die Qualität Show.
18. Wenn ein Showpferd in der Show mal nicht das macht, was es soll- was muss der Reiter in so einem Fall machen?
Das ist unterschiedlich zu betrachten. Wenn es sich um einen echten Ungehorsam handelt muss man dieses fachgerecht korrigieren. Handelt es sich um ein Erschrecken oder Scheuen - also die Reaktion des Pferdes, dass es aus irgendeinem Grunde unkonzentriert oder sogar widersetzlich machte, kann man das schon mal „übersehen. Wenn man in einem solchen Falle korrigieren würde, erreicht man genau das Gegenteil. Erfahrene Reiter wie die bei APASSIONATA wissen genau, ob man nun korrigierend eingreifen muss oder man auch mal etwas durchgehen lassen kann. Im Grunde ist es wie mit der liebevollen Erziehung eines Kindes – Grenzen müssen und sollen gesetzt werden.
19. Wie lange dauert die durchschnittliche „Showpferd-Karriere“?
Wir hatten und haben einige Pferde in unserer Show, die älter als 20 Jahre sind.



